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heute ist der 12.12.2018  letzte Änderung am 07.12.2018 

Aktuelles

Häufige Interessenskonflikte von Autoren medizinischer Leitlinien

LONDON. Eine von Nature durchgeführte Untersuchung hat ergeben, dass mindestens ein Drittel aller Autoren medizinischer Leitlinien finanzielle Beziehungen zu den Herstellern der Medikamente hat, die in den Leitlinien empfohlen werden. Dies droht nach Ansicht des Wissenschaftsmagazins die Glaubwürdigkeit der Leitlinien zu untergraben.

Die Mitarbeiter von Nature haben mehr als 200 Leitlinien untersucht, die im letzten Jahr (2004) auf den Seiten des US-National Guideline Clearinghouse publiziert wurden. Nur zu 90 dieser Leitlinien gab es Angaben zu möglichen Interessenskonflikten ihrer Autoren und von diesen seien nur 31 frei von Interessenskonflikten gewesen, schreiben Rosie Taylor und Jim Giles in Nature (2005; 437: 1070-71).

Die Interessenskonflikte bestehen in mehr als der Hälfte der Fälle in einer Beratertätigkeit für die Pharmaindustrie. Verbreitet sind auch bezahlte Auftritte in Seminaren. Diese Angaben machte ein Drittel der Panelmitglieder. Ein Zehntel der Autoren gab sogar an, Anteile (Aktien) der Firmen zu halten, über deren Medikamente sie Empfehlungen aussprachen, was nach Ansicht von Nature besonders bedenklich ist.

Als Negativbeispiel nennt Nature eine im letzten Jahr erschienene Leitlinie zur Behandlung der Anämie bei HIV-Patienten (Clinical Infectious Diseases 2004; 38: 1454-1463). Sie wurde von einer Expertengruppe unter Leitung des HIV-Experten Paul Volberding von der Universität von San Francisco erstellt. Die Gruppe hatte sich auf Initiative der Firma Ortho Biotech getroffen. Alle sechs Mitglieder des Panels waren bereits früher für den Hersteller tätig gewesen, der auch die Treffen der Experten organisierte und für alle Ausgaben aufkam. Das Ergebnis war eine Leitlinie, die sich für den Einsatz von Epoetin alfa, einem Produkt von Biotech, ausspricht.

Diese Erkenntnisse sind keine Enthüllungen eines investigativen Journalismus von Nature. Alle genannten Faktoren werden in der Publikation an prominenter Stelle erwähnt, weshalb sich Volberding, ein weltweit anerkannter Aids-Forscher, auf der sicheren Seite wähnt und keine Beeinflussung sieht. Auch Nature zweifelt im konkreten Fall nicht an der Glaubwürdigkeit des Experten, sieht in einem Editorial (Nature 2005; 437: 1066-7) jedoch die Möglichkeit einer subtilen Einflussnahme, wie sie für die Annahme von Geschenken an Ärzte belegt sei (JAMA 2000; 283: 2655-8).

Ähnliches könne für Leitlinien nicht ausgeschlossen werden. Dem wird entgegengehalten, dass es in manchen Fachbereichen kaum noch fachkundige Experten gebe, die frei von Interessenskonflikten sind. Eine Lösung könnte laut Nature darin bestehen, die Höhe der Bezüge (vor allem aber der Anteile) zu begrenzen und ein “Jury und Zeugen”-Modell einzuführen. Es sieht vor, dass Mediziner mit wirtschaftlichen Interessenskonflikten nur als Zeuge auftreten, die von unabhängigen Experten befragt werden. Diese Methode werde bereits am US-National Institute of Health eingesetzt. Auch dort sind Nebenjobs und die berufsnahe Vermögensbildung weit verbreitet. Ein kürzlich unternommener Versuch, den Wildwuchs zu begrenzen, scheiterte am Widersand der führenden Angestellten./rme

Links zum Thema
Nature
National Guideline Clearinghouse
PDF der kritisierten Leitlinie

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom 25. Oktober 2005

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