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heute ist der 11.12.2018  letzte Änderung am 07.12.2018 

Aktuelles

PDA hilft, unnötige Antibiotikaverschreibungen zu vermeiden

UTAH. Wie kann die oft beklagte unnötige Verordnung von Breitbandantibiotika bei oberen Atemwegsinfekten verhindert werden? US-Mediziner versorgten Hausärzte mit einer speziellen Software für den Persönliche Digitale Assistent (PDA) und erzielten in einer randomisierten Interventionsstudie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2005; 294: 2305-2314) einen Achtungserfolg. Der handtellergroße PDA veränderte das Verschreibungsverhalten der Ärzte.

Dass Antibiotika häufig unkritisch verschrieben werden, ist seit langem beklagt. Auch die Ursachen liegen auf der Hand: Für Arzt und Patient ist es häufig die bequemste Lösung, bei einer akuten Entzündung im Rachenraum ein Breitbandantibiotikum zu verordnen beziehungsweise einzunehmen, obwohl zumindest der Arzt wissen sollte, dass die meisten Infektionen viraler Genese sind und die Antibiotika keinen Nutzen haben. Der Schaden, der für den Arzt und seinen Patienten unmittelbar nicht erkennbar ist, liegt – neben der Verschwendung finanzieller Ressourcen – in der Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen, die in vielen Ländern zunehmend zu einem Problem werden.

Viele Beobachter sehen die Ursache weniger beim Arzt als beim Patienten. Diese äußern häufig ausdrücklich den Wunsch nach einem Antibiotikum, verbunden mit der Drohung, ansonsten den Arzt zu wechseln. Besonders virulent ist das Problem, wenn Kleinkinder erkrankt sind. Eine Strategie zur Vermeidung unnötiger Verordnungen zielt deshalb auf die Öffentlichkeit. Auch Matthew Samore von der Universität von Utah in Salt Lake City und Mitarbeiter haben im Rahmen ihrer Studie eine intensive Öffentlichkeitsarbeit betrieben.

Lokale Meinungsbildner (Community leaders) wurden zu Informationsabenden eingeladen, Pressemitteilungen an die Medien verschickt, Informationsbroschüren in Arztpraxen und Apotheken ausgelegt. Alle Eltern mit Kindern im Alter unter sechs Jahren erhielten Informationsmaterial zugeschickt, auf Englisch und Spanisch und mit einem Magneten versehen, damit die Info-Karte zur ständigen Erinnerung am Kühlschrank befestigt werden kann. Die “Message” lautete: „Behandeln Sie Virusinfektionen nicht mit Antibiotika”. In einer zweiten Aufklärungswelle wurde die Bevölkerung – mit Unterstützung der lokalen Medien – näher mit der Diagnose und Therapie von viralen Infektionen vertraut gemacht. Sie erfuhren auch, welche Fragen sie beim Praxisbesuch mit dem Arzt klären müssen.

Diese vorbildliche Kampagne war aber nicht sehr erfolgreich. Die Rate der Antibiotikaverschreibungen stieg sogar um 0,9 Prozent an, auch wenn es in der Vergleichsgruppe (ohne Öffentlichkeitsarbeit) zu einem Anstieg um 2,6 Prozent kam. Die randomisierte Studie, die in zwölf Gemeinden in Utah und Idaho mit 407 460 Einwohnern und 334 Primärärzten durchgeführt wurde, hatte jedoch noch einen dritten Arm. Darin war neben der Öffentlichkeit auch der Arzt Ziel der Informationskampagne. Die Mediziner erhielten ein so genannte clinical decision support system (CDSS).

Es bestand aus schriftlichen Informationen zur schnellen Diagnose von Atemwegserkrankungen, darunter ein Dokumentationsbogen und ein Flussdiagramm zu Diagnose und Therapie. Die dritte Komponente war eine Software für den PDA, der in den USA weiter verbreitet ist als hierzulande. Die CDSS auf dem PDA sollte die Ärzte bei der Diagnose helfen, machte ihnen aber auch Vorschläge zur symptomatischen Behandlung viraler Infekte. Für den (seltenen) Fall einer Pneumonie gab es einen Index zur Abschätzung des Schweregrades. Die Ärzte wurden mit dem Umgang der Materialien geschult, was sich bezahlt machen sollte.

Denn im dritten Arm der Studie sank die Rate der Antibiotikaverschreibungen um 8,8 Prozent. In der Kategorie, in der niemals Antibiotika indiziert waren, ging die Rate sogar um 32 Prozent zurück (gegenüber einem Rückgang um fünf Prozent bei alleiniger Öffentlichkeitsarbeit). Die Autoren sprechen deshalb von einem Erfolg, wenn auch noch zu beweisen wäre, dass sich die Intervention auf die Rate der Resistenzentwicklung ausgewirkt hat.

Links zum Thema
PDF der Studie im JAMA

Pressemitteilung von JAMA

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom 9. November 2005

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