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heute ist der 24.04.2018  letzte Änderung am 19.04.2018 

Aktuelles

Gentests als Frühwarnsystem für MRSA

MARBURG. Eine deutsche Forschergruppe hat ein automatisiertes Frühwarnsystem für MRSA-Ausbrüche entwickelt. In PLOS Medicine (2006; 3: e33) beschreiben sie, wie der „genetische Fingerabdruck“ der Methicillin-resistenten Staphylokokken (MRSA) helfen könnte, die Epidemien schneller nachzuweisen.

Die Identifizierung von MRSA-Ausbrüchen ist zurzeit sehr umständlich. Die Häufung von fiebrigen Infektionen bei den Patienten mag einen ersten Verdacht liefern. Bis die Ergebnisse der mikrobiologischen Resistenztests vorliegen, verstreicht jedoch wertvolle Zeit, und die Typisierung mit konventionellen Methoden (Elektrophorese) ist umständlich. Schneller wären gentechnische Nachweisverfahren, doch die Sequenzierung der Bakterien ist sehr teuer. Schneller ist ein Gentest, der nicht ganze Gene sequenziert, sondern nach charakteristischen Merkmalen der MRSA sucht, also Genabschnitte, die bei MRSA deutlich anders sind als beim „Wildtyp“ dieses Erregers. Eine solche Region wurde kürzlich auf dem Gen für das Protein A von S. aureus gefunden. Lediglich aufgrund des Testes lassen sich allerdings keine Epidemien erkennen. Doch der Test lässt sich optimieren.

Zu diesem Zweck wurde ein Computerprogramm geschrieben, das neben den Ergebnissen des Tests auch epidemiologische Informationen zu MRSA-Ausbrüchen berücksichtigt. Die Gruppe um Prof. Dag Harmsen von der Universität Münster hat dieses Programm jetzt in Kooperation mit Fachkollegen aus Hamburg getestet. Sie konnten einen Ausbruch von MRSA auf Stationen mit einer Sensitivität von 100 Prozent und eine Spezifität von 95,2 Prozent erkennen. Die Forscher sehen in ihrem Programm eine Alternative zu den bisherigen aufwendigen Methoden.

Eine funktionierende Früherkennung wird dringend benötigt, da die Häufigkeit von MRSA auch in Deutschland zunimmt. In den letzten Jahren wurde ein starker Anstieg von drei auf etwa 25 Prozent beobachtet. Der Trend dürfte weiter anhalten, wie Zahlen aus Großbritannien befürchten lassen. Dort beträgt der Anteil der MRSA bereits 60 Prozent. In den Niederlanden und Skandinavien konnte die Rate dagegen durch strikte Hygienemaßnahmen und Typisierung stabil unter drei Prozent gehalten werden. Neben verlängerten und schwereren Krankheitsverläufen bedeutet das Auftreten von MRSA äußerst arbeitsaufwendige und für das Krankenhaus sehr teure Konsequenzen, im Extremfall die Schließung ganzer Stationen, heißt es in der Pressemitteilung der Universität./rme

Links zum Thema

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom 11. Januar 2006

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