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heute ist der 22.06.2018  letzte Änderung am 20.06.2018 

Aktuelles

Grippe: Diesjährige Influenzaviren resistent gegen Medikamente

ATLANTA. Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben die Ärzte dringend aufgefordert, bei der Behandlung der Grippe in diesem Jahr auf den Einsatz von Amantadin und Rimantadin zu verzichten. Anlass eines „Health Alerts“ der Behörde ist die dramatische und unerwartete Zunahme der Resistenzen gegen diese Wirkstoffe.

Amantadin und Rimantadin gehören zu den M2-Ionenkanal-Inhibitoren, die damit einen anderen Wirkmechanismus haben als die Neuraminidase-Inhibitoren Oseltamivir und Zanamivir. Diese beiden Wirkstoffe wurden auch von der Warnung der CDC ausgenommen und zum neuen Mittel der Wahl erklärt, mit dem Hinweis, dass eine rechtzeitige Impfung noch immer den besten Schutz bietet.

Die CDC verzeichnet bereits seit langem eine globale Zunahme der Resistenzen bei den saisonalen Grippeviren. In letzter Zeit hat sich die Entwicklung jedoch stark beschleunigt. In den USA stieg die Prävalenz innerhalb von drei Jahren von 1,9 Prozent auf 12,3 Prozent. Anfang dieses Jahres wurden die ersten Viren der Saison 2005/6 untersucht. Zur völligen Überraschung der US-Behörde wurde bei nicht weniger als 91 Prozent der untersuchten Isolate des Stammes H3N2 eine Mutation an Position 31 des M2-Proteins nachgewiesen. Diese Mutation bedingt eine Kreuzresistenz auf Amantadin und Rimantadin.

Nachdem die Ergebnisse am 13. Januar vorlagen, wurde die Öffentlichkeit noch am folgenden Tag in einer eilig einberufenen Pressekonferenz informiert. Über die Ursache der Zunahme gibt es nur Mutmaßungen. Tatsächlich ist die Gefahr von Resistenzen auf Amantadin und Rimantadin theoretisch sehr hoch. Neben den jetzt beobachteten Veränderungen an der Position 31 können auch Punkmutationen an den Positionen 26, 27, 30, 31 oder 34 des M2-Proteins zum Wirkungsverlust von Amantadin und Rimantadin führen. Hinzu kommt, dass diese Mutationen die Übertragbarkeit der Grippeviren nicht herabsetzen, sodass gute Voraussetzungen für eine rasche Ausbreitung gegeben sind, sofern ein Selektionsdruck vorhanden ist. Dieser Selektionsdruck wird durch den unkontrollierten Einsatz der beiden Medikamente erhöht, die in vielen Ländern (nicht aber in den USA oder Deutschland) rezeptfrei erhältlich sind.

Die Untersuchung von 120 Isolaten bedeutet nicht, dass die Situation repräsentativ für die USA und schon gar nicht für Europa ist. Die CDC will deshalb weiter Isolate auf die Resistenzmutationen hin untersuchen. Vorsorglich wird jedoch vom Einsatz von Amantadin und Rimantadin streng abgeraten. Stattdessen sollten Oseltamivir oder Zanamivir eingesetzt werden. Alle drei hierzu untersuchten Isolate eines Influenza-Stammes H1N1 wiesen auf eine gute Wirksamkeit hin, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) meldet für die erste Woche dieses Jahres nur eine geringfügig erhöhte Erkrankungsaktivität für akute respiratorische Erkrankungen, die vor allem aus den Rhein/Main- und Rhein/Neckar-Gebieten sowie aus Sachsen gemeldet wurde. Auch die Europäische Influenza-Überwachung (EISS) verzeichnet erst eine geringe Krankheitsaktivität. Die Grippewelle scheint in diesem Jahr nur langsam anzurollen.

Links zum Thema

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom 16. Januar 2006

Aktuelles
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