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Aktuelles

Cochrane: Grippe-Impfung von Säuglingen nicht evidenzbasiert

Oxford - Die Empfehlung der US-amerikanischen Centers of Disease Control and Prevention (CDC), Säuglinge bereits ab dem sechsten Lebensmonat gegen Grippe zu impfen, ist nach Ansicht britischer Experten nicht evidenzbasiert. Wirksamkeit und Sicherheit sind nach einer Publikation in der Cochrane Database of Systematic Reviews (2006, Issue 1) erst ab dem zweiten Lebensjahr belegt.

Bis vor kurzem wurde die Grippeimpfung nur für chronisch Kranke, für Menschen über 65 Jahren und für Risikopersonen, etwa Beschäftigte im Gesundheitswesen empfohlen. Doch jüngere Studien haben gezeigt, dass Kinder ebenso häufig wegen Grippekomplikationen hospitalisiert werden wie Senioren. Nach Einschätzung der CDC sind allein in der Grippesaison 2003/2004 mehr als 150 Kinder unter 18 Jahren an den Komplikationen der Grippe gestorben.

Die CDC empfiehlt deshalb auch die Impfung von Kindern (mit Risikofaktoren), wobei das Anfangsalter jüngst von zwei Jahre auf sechs Monate gesenkt wurde. Doch Studien, die eine Wirksamkeit im Alter von sechs bis 23 Monaten belegen, sind laut Sue Smith von der Oxford Universität bisher kaum durchgeführt worden. Und diese hätten keine bessere Wirkung als Placebo.

Die Forscher haben 51 Studien – darunter erstmals auch 17 russischsprachige Publikationen – ausgewertet, an denen 250.000 Kindern unter 16 Jahren teilnahmen. Darunter waren nur zwei Wirksamkeitsstudien an etwa 1.000 Säuglingen, in denen ein Impfstoff aus inaktivierten Viren, die einzige in dieser Altersgruppe zugelassene Vakzine, eingesetzt wurde. Aus diesen Studien lässt sich nach Auskunft der Cochrane-Experten keine Wirkung ableiten. Ebenso spärlich sind die Daten zur Sicherheit der Impfstoffe. Es gebe nur eine einzige Studie, die sich speziell mit der Sicherheit bei Säuglingen beschäftigt habe, und diese Studie sei 30 Jahre alt und hatte nur 35 Kinder eingeschlossen.

Damit ist die Datenbasis zu schmal, um Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung bei Säuglingen zu belegen. Das bedeutet nicht, dass die Impfstoffe nicht sicher oder nicht wirksam sind, wie Henry Bernstein von der American Academy of Pediatrics in einer Pressemitteilung betont. Der US-Experte sieht keinen Grund, warum der Grippe-Impfstoff bei Säuglingen eine andere Wirkung haben sollte wie bei älteren Kindern.

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Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom 25. Januar 2006

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