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heute ist der 10.12.2018  letzte Änderung am 07.12.2018 

Aktuelles

Vogelgrippe: Keine Hinweise auf Pandemie-Mutationen

Genf - Ob die Vogelgrippe zum Ausgangspunkt für eine Grippe-Pandemie wird, hängt allein von den genetischen Veränderungen der H5N1-Viren ab. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lässt deshalb regelmäßig das Erbgut der bei Vögeln und Menschen isolierten Viren analysieren. Bisher gebe es keine Hinweise auf eine gefährliche Situation, verkündete die WHO in den letzten Tagen. Die Forscher wissen aber nicht, welche Mutationen die Infektiosität beim Menschen erhöhen würde.

Grippeviren verfügen über eine hohe genetische Instabilität. Sie ist Folge eines fehlenden genetischen Kontrollmechanismus, der bei anderen Lebewesen, etwa beim Menschen, dafür sorgt, dass Kopierfehler während der Replikation repariert werden. Beim H5N1-Virus bleiben die Fehler ohne unmittelbare Folgen. Mittelbar setzen sich aber nach evolutionsbiologischen Gesetzmäßigkeiten jene Mutationen durch, die den Viren eine bessere Anpassung an ihren Wirt ermöglichen. Verglichen mit den Viren der Jahre 1997 und 2003 ist die Letalität der zirkulierenden H5N1-Viren für experimentell infizierte Hühner und Mäuse deutlich anstiegen. Der  Pressemitteilung der WHO zufolge istdas Virus ist auch widerstandsfähiger geworden: Es bleibe außerhalb der infizierten Tiere über mehrere Tage länger überlebensfähig als seine Vorläufer.

Gleichzeitig ist die Resistenz von Enten in der Geflügelhaltung gestiegen. Diese Tiere können einige Stämmen von H5N1 widerstehen, was sich negativ auswirkt, da sie große Mengen des hochpathogenen Virus ausscheiden. In den endemischen Ländern wird diese veränderte Rolle der Hausenten für die Aufrechterhaltung der Übertragungszyklen verantwortlich gemacht. In Südostasien konnten sich auf diese Weise verschiedene H5N1-Stämme im Geflügel etablieren. Diese Viren wurden auch in offenbar gesunden Zugvögeln gefunden.

Für die meisten Zugvögel ist die Letalität der Vogelgrippe jedoch angestiegen. Einen evolutionären Wendepunkt vermuten die Forscher im Massensterben von Vögeln, das sich Ende April 2005 im Qinghai Lake Naturreservat in Zentralchina ereignete. Dort waren mehr als 6.000 Wildvögel tot aufgefunden worden. Die WHO vermutet, dass diese Todesfälle die Folge von Mutationen bei den H5N1-Viren waren. Diese Mutationen hätten andererseits die Anpassung des Virus an die Vögel deutlich verbessert. Die Folge: Andere Stämme wurden verdrängt.

Die neuen Stämme haben sich seither kaum verändert. Die Viren, die in den letzten Tagen in verendeten Vögeln in Nigeria, Irak und der Türkei gefunden wurden, waren weitgehend identisch mit den Viren im Qinghai Lake Naturreservat. Diese Stabilität ist ungewöhnlich und zeigt nach Angaben der WHO, dass der Erreger sich weitgehend an die Zugvögel angepasst hat. Vögel und Viren befänden sich in einem evolutionären Gleichgewicht, was keine positive Prognose erlaubt.

Die WHO geht davon aus, dass sich die Viren mit der bald einsetzenden Reise der Vögel in ihre Brutgebiete weiter ausbreiten werden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit den Viren in Kontakt treten, was vor allem der Fall sein wird, wenn die Viren auf die Geflügelbestände übergreifen. Ein Gefährdungspotenzial sehen die Experten in kleineren Betrieben, in denen das Geflügel in engem Kontakt zu Menschen gehalten wird. Hier sind am ehesten Infektionen von Menschen möglich, die, wie die Erfahrungen zeigen, dann häufig tödlich ausgehen. Durch den Kontakt mit Wildvögeln ist es nach Angaben der WHO bisher in keinem einzigen Fall zu einer Infektion von Menschen mit H5N1 gekommen.

Zu einer epidemischen Gefahr werden die Viren erst, wenn sie Eigenschaften erwerben, die ihre Übertragbarkeit beim Menschen erhöhen. Deshalb werden die aus infizierten Menschen isolierten Viren besonders genau beobachtet. Hier hat es bereits Veränderungen gegeben, zuletzt bei einer tödlichen Erkrankung im Januar 2006 in der Türkei. Diese Mutationen betrafen die Rezeptorbindungsstelle, ein für die Übertragbarkeit sehr sensibler Bestandteil des Virus. Da die Viren sequenziert werden, sind die Genetiker heute genauestens über die Veränderungen informiert – sie vermögen sie allerdings nicht zu deuten. Denn welche Mutationen das Vogelgrippe-Virus in ein für den Menschen hoch ansteckendes Virus verwandeln, ist unbekannt. Die bisher bei aus Menschen isolierten Viren nachgewiesenen Mutationen waren aber nicht stabil. Dies ist ein Hinweis darauf, dass sich ihnen (bisher) keine evolutionären Vorteile beim Menschen bieten.

Links zum Thema

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 21. Februar 2006

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