|
Papillomaviren als Auslöser von Hautkrebs?
Hanover/New Hampshire - Humane Papillomaviren (HPV) sind seit langem als Verursacher des Zervixkarzinoms bekannt. Jetzt deutet eine bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2006; 98: 389-395) darauf hin, dass die onkogenen Viren an der Entstehung eines weiteren epithelialen Malignoms beteiligt sind: Patienten mit Spinaliom hatten überproportional häufig Antikörper gegen beta-Serotypen von HPV.
Bislang wurden die karzinogene Wirkung von UV-Licht und eine besondere Lichtempfindlichkeit als die wesentliche Ursache des Spinalioms betrachtet, der häufigsten bösartigen Krebserkrankung des Menschen, die aber bei rechtzeitiger Exzision des Tumors selten tödlich endet. Bereits in früheren Untersuchungen wurde jedoch eine Beteiligung von HP-Viren vermutet. Eine internationale Forschergruppe unter der Leitung von Margaret Karagas vom Dartmouth College in Hanover/New Hampshire – unter Beteiligung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg – ist der Sache jetzt systematisch nachgegangen. Dabei half ihr eine neue Technik, die so genannte Multiplex-Serologie. Sie erlaubt die gleichzeitige Bestimmung von bis zu hundert verschiedenen Antikörpern im Serum. Da es mehr als hundert verschiedene onkogene HP-Viren gibt, hat die Technik die Arbeit der Forscher sicherlich erleichtert.
Untersucht wurden 252 Patienten mit Spinaliom, 525 Patienten mit Basaliom und 461 Kontrollpersonen. Dabei wurden allerdings nur 16 verschiedene HPV-Serotypen gefunden. Es zeigte sich, dass Patienten mit einem Spinaliom, nicht aber Patienten mit Basaliomen überdurchschnittlich häufig Antikörper gegen so genannte beta-Serotypen von HPV im Blut haben (Odds Ratio 1,5, 95-Prozent-Konfidenzintervall). Am deutlichsten war die Assoziation mit Antikörpern gegen den Typ HPV-5 (Odds Ratio = 1,8; 1,0-3,1). Dieser Befund ist interessant, da das Zervixkarzinom nur mit Alpha-Serotypen des HPV assoziiert ist. Sie gelten als eigentliche Ursache dieses Tumors.
Beim Spinaliom ist der Zusammenhang mit beta-Serotypen weniger eindeutig. Denkbar ist aber, dass eine chronische Sonnenexposition neben der direkten Schädigung der DNA auch zu einer lokalen Immunsuppression führt, welche die Vermehrung der Viren in der Haut begünstigt. Dafür spricht, dass Menschen mit Tumoren an sonnenexponierter Stelle häufiger seropositiv auf beta-HPV-Typen waren. Beide Noxen – Viren und UV-Strahlung - könnten sich also gegenseitig verstärken.
Dass für das Basaliom keine Assoziation gefunden wurde, verwundert nicht. Der Tumor unterscheidet sich pathogenetisch und ätiologisch vom Spinaliom. Anders als das Spinaliom wird das Basaliom auch nicht vermehrt bei Patienten beobachtet, die nach einer Organtransplantation dauerhaft mit Immunsuppressiva behandelt werden.
Links zum Thema
Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 15. März 2006
|