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Infektionen erhöhen Thromboserisiko
London - Infektionen begünstigen möglicherweise die Entstehung von thrombotischen Störungen. Hierauf weist die Analyse eines britischen Patientenregisters im Lancet (2006; 367:1075-1079) hin. Danach erkranken ambulante Patienten in den ersten beiden Wochen nach Diagnose einer Atemwegs- oder Harnwegsinfektion doppelt so häufig an tiefen Venenthrombosen oder Lungenembolien als zu anderen Zeitpunkten.
Die elektronische Dokumentation der Krankenakte hat die Etablierung von Datenbanken ermöglicht, die sich immer mehr zu einer Fundgrube von Epidemiologen und anderen Gesundheitsforschern entwickeln. Zu den neuartigen Studien, die solche Patientenregister ermöglichen, gehören so genannte selbst-kontrollierte Fallserien. Mit ihnen kann festgestellt werden, ob Patienten nach einem bestimmten Ereignis in ihrem Leben, etwa der Diagnose einer Infektionskrankheit, gehäuft bestimmte Komplikationen erleiden. Nach Infektionskrankheiten könnten dies tiefe Venenthrombosen oder Lungenembolien sein, denn verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Infektionen alle drei Bestandteile der Virchowschen Trias (Veränderungen an der Gefäßwand, Veränderungen der Strömungsgeschwindigkeit des Blutes und Veränderungen in der Zusammensetzung des Blutes) beeinflussen.
Liam Smeeth und Mitarbeiter der London School of Hygiene and Tropical Medicine haben deshalb die Einträge von 220 britischen Allgemeinpraktikern untersucht, die ihre Krankenakten dem Health Improvement Network zur Verfügung gestellt haben. Dort fanden sich 7.278 Patienten mit einer tiefen Venenthrombose und 3.755 mit einer Lungenembolie. Diese Daten wurden mit den Diagnosen von Atemwegs- und Harnwegsinfektionen zeitlich in Beziehung gesetzt. Tatsächlich können die Forscher zeigen, dass in den ersten beiden Wochen nach diesen Infektionen das Risiko von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien erhöht ist. Für die tiefen Venenthrombosen wurde eine Inzidenzrate von 2,10 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,56-2,82) ermittelt. Für die Lungenembolie lag sie bei 2,11 (1,38-3,23).
Die Assoziation mit der Lungenembolie ließe sich leicht anzweifeln, da diese Erkrankung unter Umständen mit einer Atemwegsinfektion verwechselt werden kann. Bei der tiefen Venenthrombose ist dies dagegen unwahrscheinlich. Andere Einwände betreffen die Möglichkeit, dass die Erkrankungen die Patienten möglicherweise dazu bewegt haben könnten, sich mehr auszuruhen. Bettlägerigkeit ist ein etablierter Risikofaktor für thrombotische Erkrankungen. Die Autoren schließen dies jedoch aus, da die meisten von Hausärzten behandelten Infektionen leichter Natur sind. Schließlich stellt sich die Frage, ob die Erreger oder die entzündliche Reaktion des Körpers für die Assoziation verantwortlich sind. Die Autoren glauben, die Erreger ausschließen zu können, da Atemwegs- und Harnwegsinfektionen sehr unterschiedliche Erregerspektren haben. Im nächsten Schritt müssten jetzt die pathogenetischen Zusammenhänge geklärt werden.
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Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 31. März 2006
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