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heute ist der 16.05.2008  letzte Änderung am 29.04.2008 

Aktuelles

Wie die Pneumokokken-Impfung resistente Pneumokokken verdrängt

Atlanta - Die Einführung eines 7-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs (PCV-7) hat in den USA das Erregerspektrum verändert. Zu den positiven Auswirkungen zählt ein Rückgang der resistenten Pneumokokken-Infektionen. Das berichten Mitarbeiter der US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) im New England Journal of Medicine (NEJM 2006; 354:1455-1463). Nicht geimpfte Erwachsene profitieren von einem „Herden“-Effekt. Auf der anderen Seite werden Pneumokokken-Serotypen häufiger, die nicht vom Impfstoff erfasst werden.

Die Zeiten, in denen Pneumokokken-Infektionen empirisch mit Penicillin behandelt werden können, schien sich in den letzten Jahren dem Ende zuzuneigen. Immer mehr Pneumokokken wurden resistent. Die meisten Resistenzen entfielen auf fünf der sieben Serotypen, die von der PCV-7-Vakzine erfasst werden. Man durfte deshalb hoffen, dass der neue Impfstoff sich günstig auf die Rate dieser Infektionen auswirkt, auch wenn in der Regel nur Kinder geimpft werden, viele Infektionen mit resistenten Erregern jedoch bei Erwachsenen auftreten. Die Active Bacterial Core Surveillance der CDC beobachtet die Erregerspektren in 8 US-Regionen und kann jetzt eine positive Entwicklung melden, die in diesem Ausmaß nicht vorhergesagt worden war.

Die Erkrankungsrate mit Penicillin-resistenten Pneumokokken, die 1999 auf 6,3/100.000 angestiegen war, ist im Jahr 2004 auf 2,7/100.000 Einwohner zurückgegangen, eine relative Reduktion um 57 Prozent. Auch die Rate der mehrfachresistenten Pneumokokkenerkrankungen nahm um 59 Prozent von 4,1 auf 1,7 Fälle pro 100.000 Einwohner ab. Interessanterweise trat dieser Rückgang nicht nur bei den Kindern auf, die in den USA mittlerweile zu fast 75 Prozent geimpft werden. Auch bei den Erwachsenen über 65 Jahre kam es zu einem Rückgang um 49 Prozent.

Dies deutet der Editorialist Daniel Musher vom Baylor College of Medicine in Houston/Texas als überaus erwünschten Herden-Effekt. Kinder sind häufig der Ausgangspunkt kleiner Epidemien, und wenn sie nicht mehr erkranken, ist auch das Ansteckungsrisiko für nicht geimpfte Kinder oder Erwachsene vermindert. Die Schutzwirkung der Kinderimpfung für die Erwachsenen sei möglicherweise größer als die Schutzwirkung der Impfung bei den älteren Menschen selber, da diese mit dem alten schwächeren Impfstoff durchgeführt wird.

Sorgen bereitet Musher dagegen eine andere Entwicklung. Die „ökologische Nische“, die die Pneumokokken hinterlassen haben, wird nicht etwa von harmlosen Bewohnern der Rachenflora besetzt, sondern von anderen Pneumokokken, die von dem neuen Impfstoff nicht erfasst werden. Tatsächlich kam es zu einem Anstieg der Erkrankungen mit Pneumokokken vom Serotyp 19A, die zu allem Überfluss auch noch antibiotikaresistent waren. In der Altersgruppe von Kindern unter 2 Jahren stieg die Erkrankungsrate von 2,0 auf 8,3 Fälle/100.000 Kinder.

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Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 6. April 2006

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