Paul-Ehrlich-Gesellschaft | Impressum | Kontakt
Mitgliederlogin:


heute ist der 16.01.2018  letzte Änderung am 15.01.2018 

Aktuelles

Aids-Kongress: Flächendeckende Therapie der Bevölkerung in Afrika erscheint möglich – Pilotstudie in Sambia

Lusaka - Noch ist Afrika nicht verloren. So könnte man die optimistische Stimmung zusammenfassen, die nach vielen Jahren der Skepsis jetzt von den Rednern bei der Eröffnung des Internationalen Aids-Kongresses in Toronto verbreitet wurde. Die Zuversicht stützt sich auf die überraschend positiven Ergebnisse einer Pilotstudie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 296: 782-793). Sie zeigt, dass auch vor dem Hintergrund eines unterentwickelten Gesundheitswesens vieler schwarzafrikanischer Länder eine flächendeckende komplexe antiretrovirale Versorgung von HIV-Infizierten möglich ist.
Sambia gehört zu den ärmeren Ländern Afrikas. Jeder sechste der 11,5 Millionen Einwohner soll HIV-infiziert sein. In der Hauptstadt Lusaka mit mehr als 1,7 Millionen Einwohnern beträgt die Prävalenz sogar 22 Prozent, wie Jeffrey Stringer von der Universität des US-Bundesstaates Alabama in Birmingham schreibt. Allein im Jahr 2003 seien 90.000 Menschen in Sambia an Aids gestorben. Früher konnten sich nur wenige HIV-Infizierte die teuren antiretroviralen Medikamente leisten. Dies änderte sich ab 2002, wenn auch nur für die HIV-Infizierten eines begrenzten Bereichs der Hauptstadt. Damals begann an zwei der größten Kliniken des Landes die Pilotstudie, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Im Mai 2004 wurde das Programm auf 18 Kliniken des Lusaka Urban District ausgeweitet, wo die HIV-Infizierten inzwischen kostenfrei behandelt werden. Die Regierung führt eine Begleitforschung durch, die der US-Forscher Stringer am Center for Infectious Disease Research in Sambia leitet.
Die Erfahrungen an bisher 16.198 behandelten Patienten zeigen, dass für viele Patienten die Behandlung zu spät kommt. Bei vielen waren die CD4-Werte zu stark abgefallen oder die Aids-Erkrankung zu weit fortgeschritten. In den ersten 90 Tagen der Therapie starben 792 Patienten. Wer die ersten 90 Tage überlebt, hat jedoch die gleiche Prognose wie Patienten in den Industrieländern. Stringer bezifferte die Mortalität nach dem 90. Tag der sambischen Patienten mit 5,0 auf 1.000 Patientenjahre. Das ist nicht wesentlich mehr als die 4,34 pro 1000 Patienten-Jahre, die Stringer für Birmingham angab.
Den Erfolg führt der HIV-Wissenschaftler auf vier Faktoren zurück. Einmal habe die Regierung das Programm offen unterstützt, dann sei es den Krankenschwestern und anderen medizinischen Helfern gelungen, die Therapie weitgehend ohne Ärzte durchzuführen, an denen in Sambia großer Mangel besteht. Drittens sei die elektronische Speicherung der Daten von großem Nutzen gewesen und schließlich wäre das Programm ohne die Gelder des Emergency Plan for AIDS Relief des US-Präsidenten wohl nicht möglich gewesen.
Die größten Kosten entstanden übrigens nicht durch die Medikamente. Jährliche Kosten von etwa 300 Dollar wurden hier genannt. Wesentlich teurer sind inzwischen die begleitenden Tests zur Überwachung von Immunsystem und Resistenzen.
 
Links zum Thema

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 14. August 2006

Aktuelles
Lungenpest
Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) veröffentlicht Hinweise zur Therapie.
vom 09.01.2018

Leitlinie Parenterale Antibiotika veröffentlicht
Die S2k-Leitlinie "Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018" wurde veröffentlicht.
vom 05.01.2018

HPV
Überarbeitete Leitlinie für die Diagnostik und Behandlung von Patientinnen und Patienten mit manifester nicht-invasiver anogenitaler HPV-Infektion veröffentlicht.
vom 15.11.2017

Invasive Pilzinfektionen
Experten-Statement über Nonresponder und Durchbruchinfektionen unter antimykotischer Medikation veröffentlicht
vom 21.09.2017

Wolfgang-Stille-Preis 2018
Der Wissenschaftspreis der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) ist jetzt zum zehnten Mal ausgeschrieben worden. Er wird zur Erinnerung an den Infektiologen und früheren Vorsitzenden der PEG, Professor Dr. Wolfgang Stille (1935-2004), verliehen.
vom 31.08.2017

Impfempfehlungen der STIKO für 2017/2018 veröffentlicht
Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut hat ihre neuen Impfempfehlungen veröffentlicht, wie üblich im Epidemiologischen Bulletin 34. Änderungen gibt es bei den Impfungen gegen Hepatitis A und B, Influenza sowie Tetanus...
vom 30.08.2017

PEG-Resistenzstudie 2013_Cdiff
Bericht über die Resistenzsituation bei Clostridium difficile
vom 13.07.2017

NAK-Publikation
Das Nationale Antibiotika-Sensitivitätstest-Komitee (NAK) hat im Ärzteblatt einen Artikel über die Bedeutung der Grenzwerte veröffentlicht.
vom 12.07.2017