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Aids-Kongress: Flächendeckende Therapie der Bevölkerung in Afrika erscheint möglich – Pilotstudie in Sambia
Lusaka - Noch ist Afrika nicht verloren. So könnte man die optimistische Stimmung zusammenfassen, die nach vielen Jahren der Skepsis jetzt von den Rednern bei der Eröffnung des Internationalen Aids-Kongresses in Toronto verbreitet wurde. Die Zuversicht stützt sich auf die überraschend positiven Ergebnisse einer Pilotstudie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 296: 782-793). Sie zeigt, dass auch vor dem Hintergrund eines unterentwickelten Gesundheitswesens vieler schwarzafrikanischer Länder eine flächendeckende komplexe antiretrovirale Versorgung von HIV-Infizierten möglich ist.
Sambia gehört zu den ärmeren Ländern Afrikas. Jeder sechste der 11,5 Millionen Einwohner soll HIV-infiziert sein. In der Hauptstadt Lusaka mit mehr als 1,7 Millionen Einwohnern beträgt die Prävalenz sogar 22 Prozent, wie Jeffrey Stringer von der Universität des US-Bundesstaates Alabama in Birmingham schreibt. Allein im Jahr 2003 seien 90.000 Menschen in Sambia an Aids gestorben. Früher konnten sich nur wenige HIV-Infizierte die teuren antiretroviralen Medikamente leisten. Dies änderte sich ab 2002, wenn auch nur für die HIV-Infizierten eines begrenzten Bereichs der Hauptstadt. Damals begann an zwei der größten Kliniken des Landes die Pilotstudie, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Im Mai 2004 wurde das Programm auf 18 Kliniken des Lusaka Urban District ausgeweitet, wo die HIV-Infizierten inzwischen kostenfrei behandelt werden. Die Regierung führt eine Begleitforschung durch, die der US-Forscher Stringer am Center for Infectious Disease Research in Sambia leitet.
Die Erfahrungen an bisher 16.198 behandelten Patienten zeigen, dass für viele Patienten die Behandlung zu spät kommt. Bei vielen waren die CD4-Werte zu stark abgefallen oder die Aids-Erkrankung zu weit fortgeschritten. In den ersten 90 Tagen der Therapie starben 792 Patienten. Wer die ersten 90 Tage überlebt, hat jedoch die gleiche Prognose wie Patienten in den Industrieländern. Stringer bezifferte die Mortalität nach dem 90. Tag der sambischen Patienten mit 5,0 auf 1.000 Patientenjahre. Das ist nicht wesentlich mehr als die 4,34 pro 1000 Patienten-Jahre, die Stringer für Birmingham angab.
Den Erfolg führt der HIV-Wissenschaftler auf vier Faktoren zurück. Einmal habe die Regierung das Programm offen unterstützt, dann sei es den Krankenschwestern und anderen medizinischen Helfern gelungen, die Therapie weitgehend ohne Ärzte durchzuführen, an denen in Sambia großer Mangel besteht. Drittens sei die elektronische Speicherung der Daten von großem Nutzen gewesen und schließlich wäre das Programm ohne die Gelder des Emergency Plan for AIDS Relief des US-Präsidenten wohl nicht möglich gewesen.
Die größten Kosten entstanden übrigens nicht durch die Medikamente. Jährliche Kosten von etwa 300 Dollar wurden hier genannt. Wesentlich teurer sind inzwischen die begleitenden Tests zur Überwachung von Immunsystem und Resistenzen.
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Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 14. August 2006
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