Paul-Ehrlich-Gesellschaft | Impressum | Kontakt
Mitgliederlogin:


heute ist der 16.07.2018  letzte Änderung am 05.07.2018 

Aktuelles

Übertragung von MRSA durch Schweinefleisch unwahrscheinlich

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat bewertet, ob Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) bei Nutztieren ein Gesundheitsrisiko für den Menschen bedeuten. Diese so genannten „Livestock associated MRSA“ (LaMRSA) kommen hauptsächlich in Schweinebeständen, aber auch bei anderen Nutz-tieren vor. „Dass MRSA von Nutztieren über Lebensmittel wie rohes Fleisch oder Rohmilch auf Menschen übertragen werden, ist nach derzeitigem Kenntnisstand unwahrscheinlich“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, „denn wir schätzen die Keimmenge auf und in Lebensmitteln als gering ein.“ Aller-dings sollten Verbraucher beim Umgang mit Lebensmitteln die nötige Küchenhygiene einhalten, um ein mögliches Restrisiko zu reduzieren. Ein erhöhtes Risiko, mit MRSA besiedelt zu werden, weisen Personen auf, die häufig Kontakt mit Nutztieren haben. Das sind vor allem Landwirte und Tierärzte, aber zum Beispiel auch Schlachthofpersonal. Wer mit MRSA besiedelt ist, erkrankt nicht automatisch. Betroffene Personen sollten aber bei anderen Er-krankungen und Krankenhausaufenthalten ihren behandelnden Arzt auf die mögliche Besiedlung mit MRSA aufmerksam machen. So können sie verhindern, dass MRSA beispielsweise zu Wundin-fektionen führt oder aufgrund des geschwächten Immunsystems andere Infektionen verursacht. Die Bewertung des BfR stimmt weitgehend mit der Bewertung der Europäischen Behörde für Le-bensmittelsicherheit (EFSA) überein.

MRSA sind Stämme der Keimart Staphylococcus aureus, die gegen bestimmte Antibiotika, die Betalaktam-Antibiotika, resistent sind. Sie besiedeln Haut und Schleimhäute und bleiben in der Regel unbemerkt und ohne Folgen. Nach Schätzungen sind in Deutschland etwa 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung mit MRSA besiedelt. Zum Problem kann der Keim vor allem in Krankenhäusern werden. Bei Patienten mit ge-schwächter Abwehr oder chronischen Erkrankungen kann er zu Wund-infektionen, Infektionen der Atemwege und Blutvergiftungen führen. Diese lassen sich dann aufgrund der Antibiotika-Resistenz nur schwer behandeln. Seit den 1990er Jahren werden zunehmend auch MRSA-Stämme beschrieben, die nicht aus Krankenhäusern stammen.

In den vergangenen Jahren stellte sich heraus, dass der Keim auch bei Nutztieren eine Rolle spielt. So wurde vermehrt über Funde bei Tieren berichtet, bei denen fast ausnahmslos ein bestimmter Typ in Erscheinung trat. Er wird als ST398 bezeichnet und besiedelt sowohl Tiere als auch Menschen, hat bisher allerdings nur selten zu Erkrankungen geführt. Die Übertragung zwischen Menschen ist bei diesem Typ selten, so dass derzeit davon auszugehen ist, dass von den besiedelten Per-sonen kein besonderes Risiko für andere Personen ausgeht. Bei der Übertragung zwischen Tieren scheint die Anwendung von Antibiotika von Bedeutung zu sein. So kann sich der Keim innerhalb eines Bestan-des insbesondere nach Anwendung von Antibiotika rasch ausbreiten. Zwischen verschiedenen Tierbeständen breitet er sich nach derzeitigem Kenntnisstand vor allem durch den Handel mit besiedelten Tieren aus.

Die Einrichtungen des Veterinär- und des Gesundheitswesens haben durch intensive Zusammenarbeit innerhalb von zwei Jahren wichtige Erkenntnisse zur Ausbreitung des Erregers und zur Einschätzung des von ihm ausgehenden Risikos gewonnen. Bei Sachverständigenge-sprächen und in Expertengruppen wurden im BfR die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen diskutiert und bewertet. In der Nationalen Arbeitsgruppe zu MRSA bei Nutztieren des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) wurden die möglichen Handlungsoptionen zur Sicherstellung des gesundheitlichen Verbraucherschutzes diskutiert und das weitere Vorgehen festgelegt. Durch weitere Forschungsarbeit, auch in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Ländern, soll die Entwicklung genau verfolgt werden. Gemeinsame Maßnahmen der Veterinär- und Gesundheitsbehörden sollen den Eintrag von LaMRSA in Einrichtungen des Gesundheitswe-sens minimieren. Gleichzeitig sollen Maßnahmen zur Verminderung des Erregers bei Nutztieren entwickelt werden.

Aktuelles
Nachricht aus dem Robert Koch-Institut
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlung, Jungen zwischen 9 und 14 Jahren gegen HPV zu impfen....
vom 28.06.2018

Leitlinie zur Lungenerkrankung bei Mukoviszidose (Modul 2: Chronische Pseudomonas – Infektion) veröffentlicht
Die unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP)....
vom 20.06.2018

Wissenschaftspreis und Promotionspreise
Eingabefrist bis zum 15. Juni 2018 verlängert
vom 29.05.2018

Lungenpest
Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) veröffentlicht Hinweise zur Therapie.
vom 09.01.2018

Leitlinie Parenterale Antibiotika veröffentlicht
Die S2k-Leitlinie "Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018" wurde veröffentlicht.
vom 05.01.2018

HPV
Überarbeitete Leitlinie für die Diagnostik und Behandlung von Patientinnen und Patienten mit manifester nicht-invasiver anogenitaler HPV-Infektion veröffentlicht.
vom 15.11.2017

Invasive Pilzinfektionen
Experten-Statement über Nonresponder und Durchbruchinfektionen unter antimykotischer Medikation veröffentlicht
vom 21.09.2017

Wolfgang-Stille-Preis 2018
Der Wissenschaftspreis der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) ist jetzt zum zehnten Mal ausgeschrieben worden. Er wird zur Erinnerung an den Infektiologen und früheren Vorsitzenden der PEG, Professor Dr. Wolfgang Stille (1935-2004), verliehen.
vom 31.08.2017