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Aktuelles

Deklaration der WORLD ALLIANCE AGAINST ANTIBIOTIC RESISTANCE (WAAAR)

Rheinbach, 23. Juni 2014

Aufruf der PEG zum umsichtigen Einsatz von Antibiotika aus Anlass der Veröffentlichung der Pariser WAAAR Deklaration

Aufruf der PEG als Download (pdf-Datei)

WAAAR Deklaration vom 23. Juni 2014 (pdf-Datei)

Die Häufigkeit von bakteriellen Krankheitserregern mit einer Resistenz gegen Antibiotika hat in den 20 Jahren weltweit (einschließlich Deutschland) deutlich zugenommen. Die Behandlung von Infektionskrankheiten ist deshalb zunehmend schwieriger und teurer geworden. Dies gilt sowohl für die Situation in der ambulanten als auch in der stationären Versorgung. Ein besonders hohes Risiko liegt vor, wenn die Infektion durch einen mehrfach resistenten Erreger verursacht wird. Hier kommen nur noch wenige Behandlungsmöglichkeiten in Betracht. Manchmal steht sogar keine Therapieoption mehr zur Verfügung. Bei abwehrgeschwächten Patienten wie Patienten nach Organtransplantation oder unter immunsuppressiver Therapie stellt sich diese Situation nicht selten lebensbedrohlich dar.


Antibiotika können Leben retten!

Der umsichtige Gebrauch von Antibiotika ist daher unabdingbar. Jede nicht sachgerechte Anwendung fördert die Entstehung und Verbreitung resistenter Mikroorganismen. Dies gilt vor allem für solche Antibiotika, die aufgrund ihres breiten Wirkspektrums und ihrer hohen Wirkintensität einen besonderen Stellenwert in der kalkulierten Initialtherapie schwerer Infektionen besitzen.

Antibiotika sind ein schützenswertes Gut, die es global zu bewahren gilt! Dies hat zur Gründung von WAAAR (World Alliance Against Antibiotic Resistance) geführt, der – ausgehend von Frankreich – inzwischen über 700 Experten aus 55 Ländern und 140 Fachgesellschaften auf den Gebieten Gesundheit und Umwelt angehören. Helfen auch Sie mit, die Antibiotika zu schützen, zumal die Zahl neuartiger Wirkstoffe, mit denen Infektionen durch resistente Erreger erfolgreich bekämpft werden könnten, in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist.

Die PEG unterstützt die Ziele und Maßnahmen, die mit der heute veröffentlichen Pariser Deklaration gegen Antibiotika-Resistenz formuliert wurden. Die Bundesregierung hat in Kooperation mit zahlreichen Verbänden und Organisationen im November 2008 einen nationalen Strategieplan zur Eindämmung antimikrobieller Resistenz in Deutschland vorgelegt. Die dort formulierten Ziele wurden bisher jedoch nur teilweise erreicht.


Jeder kann dazu beitragen, dass die Wirksamkeit der verfügbaren Antibiotika erhalten bleibt!

Die PEG appelliert an die Verantwortlichen und Interessensgruppen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesundheit:

  1. Setzen Sie das Thema „Bekämpfung von antimikrobieller Resistenz“ ganz oben auf die Agenda und lassen Sie in Ihren Bemühungen auf diesem Gebiet nicht nach!
  2. Bilden Sie Allianzen, denn das Ziel, die Ausbreitung antimikrobieller Resistenz zu begrenzen, kann nur gemeinschaftlich erreicht werden!
  3. Stellen Sie ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung, denn diese Investitionen werden sich lohnen:
    •  Investitionen in die Qualität der Infektionsdiagnostik, einschließlich der Entwicklung von geeigneten Schnelltests,
    •  Investitionen in die Überwachung der antimikrobiellen Resistenz und des Antibiotika-verbrauchs auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene,
    •  Investitionen in die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal in allen Bereichen der Human- und Veterinärmedizin,
    •  Investitionen in Infrastruktur und Informationstechnologie,
    •  Investitionen in die Entwicklung neuer Antibiotika,
    •  Investitionen in die Öffentlichkeitsarbeit zum sorgsamen Umgang mit Antibiotika in allen Bereichen.


Die PEG appelliert an Mediziner, Veterinärmediziner und die Leiter von medizinischen Einrichtungen:

  1. Sorgen Sie dafür, dass Antibiotika umsichtig eingesetzt werden.
  2. Fördern Sie den rationalen Einsatz von Antibiotika – d. h. strenge Indikationsstellung und Verwendung eines geeigneten Antibiotikums in adäquater Dosierung und angemessener Therapiedauer unter Berücksichtigung des zu erwartenden Erregerspektrums und der lokalen Resistenzsituation.
  3. Bilden Sie ein Expertenteam in Ihrer medizinischen Einrichtung und beauftragen Sie das Team mit der Überwachung der antimikrobiellen Resistenz und des Antibiotikaverbrauchs.
  4. Begrenzen Sie den Einsatz von hochwirksamen Breitspektrum-Antibiotika auf die Behandlung von Infektionen bei abwehrgeschwächten Patienten und Patienten mit lebensbedrohlichen Infektionen.
  5. Begrenzen Sie den Einsatz von Antibiotika als Prophylaxe (Humanmedizin, Veterinärmedizin) bzw. Metaphylaxe (Veterinärmedizin).
  6. Begrenzen Sie in der Veterinärmedizin den Einsatz von „Critically Important Antimicrobials“ – insbesondere von Fluorchinolonen und Cephalosporinen mit breitem Wirkungsspektrum.
  7. Helfen Sie mit, dass ein ausreichender Impfschutz besteht.

Die PEG appelliert an die Patienten:

  1. Klären Sie in einem vertrauensvollen Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt, ob zur Behandlung der vorliegenden Infektion ein Antibiotikum erforderlich ist. Keinesfalls sollten Sie die Verordnung eines Antibiotikums erbitten, wenn aus ärztlicher Sicht hierzu keine Notwendigkeit besteht.
  2. Befolgen Sie die Hinweise Ihres Arztes/Apothekers zur Einnahmehäufigkeit und Therapiedauer – das Antibiotikum kann nicht einfach abgesetzt bzw. seine Einnahme problemlos unterbrochen werden.
  3. Verwenden Sie ohne ärztlichen Rat keine Tabletten aus angebrochen Antibiotikapackungen - Antibiotika sind keine Medikamente, die wie eine Kopfschmerztablette bei Bedarf eingenommen werden sollten. Nur der Arzt kann beurteilen, ob ihre Einnahme überhaupt nötig ist, welches Antibiotikum geeignet ist und vor allem, wie lange es eingenommen werden muss.
  4. Informieren Sie sich über die Risiken und Nebenwirkungen der verordneten Antibiotika-Therapie und konsultieren Sie bei Nebenwirkungen Ihren Arzt oder Apotheker.
  5. Sorgen Sie für die ordnungsgemäße Entsorgung von Antibiotikapackungen, die das Verfalldatum überschritten haben. Alte Antibiotika können wie andere Altarzneimittel in den Hausmüll gegeben werden, sofern die Gebrauchsinformation (Beipackzettel) keine speziellen Hinweise für die Entsorgung enthält. Altarzneimittel dürfen keinesfalls über die Toilette oder das Waschbecken entsorgt werden. Antibiotikareste, die so entsorgt werden, fördern die Ausbreitung von resistenten Bakterien in der Umwelt.

Prof. Dr. Achim Hörauf  / Prof. Dr. Emil Reisinger / Prof. Dr. Michael Kresken
Präsident der PEG / Vize-Präsident der PEG / Wiss. Sekretär der PEG

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Kresken
Geschäftsstelle der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotheraüpie e.V.
Campus Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Von-Liebig-Straße 20
53359 Rheinbach
Tel.: 02226/908 916
Fax: 02226/908 918
Email: geschaeftsstelle@p-e-g.org

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