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heute ist der 24.09.2018  letzte Änderung am 14.09.2018 

Aktuelles

Otitis media: Paukenröhrchen häufig unnötig

PITTSBURGH. Ein persistierender Erguss in der Paukenhöhle erfordert nach einer Otitis media nicht in jedem Fall die Einlage eines Paukenröhrchens. Langzeitergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (2005; 353:576-586) zeigen, dass eine abwartende Haltung berechtigt ist, die vielen Kindern den Eingriff erspart und zwar ohne Gefahr für ihre weitere Entwicklung.

Die Otitis media ist nach der Erkältung die häufigste Erkrankung im Kindesalter. Bei manchen Kindern bildet sich der Erguss in der Paukenhöhle auch nach einer Antibiotikabehandlung nicht sofort zurück. Lange Zeit wurde dann die Indikation für eine präventive Einlage eines Paukenröhrchens gestellt. Sie sollte Entwicklungsstörungen des Kindes verhindern, die diesen aufgrund von Hörstörungen droht.

Die Myringotomie war in den USA sogar zeitweise der häufigste interventionelle Eingriff bei Kleinkindern. Dies hat sich in den letzten Jahren geändert, nicht zuletzt wegen einer randomisierten kontrollierten Studie, die unter der Leitung von Jack Paradise, Universität Pittsburgh, zwischen 1991 und 1995 an mehreren US-Zentren durchgeführt wurde. An der Studie nahmen 429 Kinder mit persistierendem Paukenerguss (seit 135 Tagen bei einseitiger und seit 90 Tagen bei beidseitiger Otitis media) teil, bei denen entweder sofort ein Paukenröhrchen gelegt wurde oder bis zu neun Monate abgewartet wurde. Bei Letzteren konnte dadurch jede zweite Intervention vermieden werden, ohne dass die Kinder dadurch einen Nachteil in ihrer Entwicklung hatten.

Die ersten Ergebnisse hatten Paradise und Mitarbeiter bereits 2001 publiziert. Damals waren die Kinder im Alter von drei Jahren untersucht worden. Die Autoren fanden keinen Hinweis, dass die abwartende Strategie zu Entwicklungsstörungen geführt hätte (NEJM 2001; 344: 1179-87). Die Studie zeigte Wirkung. Im letzten Jahr wurde die Leitlinie der US-Fachgesellschaften dahingehend revidiert, dass anderweitig gesunde Kinder mit persistierendem Erguss alle drei bis sechs Monate beobachtet werden sollten. Ein Paukenröhrchen sollte erst dann gelegt werden, wenn es zu einem signifikanten Hörverlust oder zu anderen Zeichen einer Schädigung im Mittelohr gekommen ist und nicht mehr präventiv (Pediatrics 2004; 113; 1412-1429).

Paradise und Mitarbeiter haben die Kinder jetzt im Alter von sechs Jahren nochmals untersucht. Dabei wurden 30 verschiedene Tests zur intellektuellen Entwicklung durchgeführt. In keinem ergaben sich Nachteile für die Kinder, die nicht sofort ein Paukenröhrchen erhalten hatten. Mit der jetzigen Studie dürfte sich die abwartende Strategie wohl endgültig durchsetzen. Die Autoren betonen jedoch, dass die Ergebnisse nicht verallgemeinert werden dürfen. Sie gelten streng genommen nur für anderweitig gesunde Kinder. Bei behinderten Kindern (wenn etwa bereits eine sensorische Hörstörung besteht) ist unter Umständen eine großzügigere Indikation erforderlich./rme

Abstract der Studie im NEJM
Leitlinie Otitis media der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie
PDF der aktuellen US-Leitlinie

Quellen: DPA, Newsletter Deutsches Ärzteblatt vom 11. August 2005

Aktuelles
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