| |
|
Durch die Gabe von Antibiotika wird TNF freigesetzt (1), wodurch die klinischen Zeichen einer septischen Enzephalopathie verstärkt werden können. Bei septischen Patienten beträgt die Inzidenz einer Enzephalopathie bis zu 70% (2). TNF induziert über den Kynureninmetabolismus die Bildung von Chinolinsäure, ein exzitatorischer Transmitter am N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptor. Inhibitor dieses Prozesses ist Norharman. Ziel dieser Studie war es, die Freisetzung von TNF und Norharman vor und nach Antibiotikabehandlung bei Patienten mit und ohne septische Enzephalopathie (SE) zu untersuchen.
Methodik: 37 Intensivpatienten (20 Patienten mit beatmungsassoziierter Pneumonie (HAP=hospital acquired pneumonia), 17 postoperative Kontrollen) wurden in die von der Ethikkommission genehmigte Studie nach Zustimmung durch einen Eilbetreuer eingeschlossen. Pneumonie wurde nach den „Centers for Disease Control“ Kriterien plus obligatem radiomorphologischem Korrelat (3) definiert, Sepsis nach den Kriterien der American Society of Critical Care Medicine (4). Zur Bestimmung unmittelbar vor, sofort und vier Stunden nach Antibiotikagabe wurde für TNF ein Enzyme-linked Immunosorbent Assay verwendet, für Norharman eine Hochleistungsflüssig-Chromatographie. Statistik: Mann-Whitney-U-Test, Friedman-, Wilcoxen-Test
Ergebnisse: 55% der Patienten mit Pneumonie entwickelten eine SE. Behandlungsdauer und Letalität dieser Patienten waren signifikant erhöht verglichen mit Pneumonie- und Kontrollpatienten. Nach Antibiotikagabe war die TNF -Freisetzung signifikant erhöht bei Pneumonie (p=0,03) und tendenziell bei SE. Nach Antibiotikagabe war Norharman zunächst tendenziell erniedrigt bei Patienten mit SE (p=0,08), nach 4 Stunden signifikant erhöht (p=0,008).
Schlussfolgerung: Nach Antibiotikabehandlung ist die TNF Ausschüttung erhöht, dadurch könnte der Kynurenin-Stoffwechsel induziert werden. Norharman hat dabei möglicherweise eine neuroprotektive Rolle. Die hohe Letalität der Patienten mit SE bestätigt die Notwendigkeit, protektive Mechanismen und Faktoren zu evaluieren.
Literatur: 1. Hurley Clin Infect Dis 1992; 15:840; 2. Young et al. Clin Invest Med 1990; 13:297; 3. Garner et al. Am J Infect Control 1988; 16:128; 4. American College of Chest Physicians/Society of Critical Care Medicine Consensus Conference Crit Care Med 1992; 20:864 |
|