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Epidemiologie von Toxoplasma und Risikofaktoren in Deutschland

 

 

 

 

Astrid M. Tenter

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Parasitologie
Zentrum für Infektionsmedizin
Bünteweg 17
D - 30559 Hannover
Fon: +49 / 511 / 953 - 8717
Fax: +49 / 511 / 953 - 8870
eMail: Astrid.Tenter@tiho-hannover.de
 

 

 

 

Die Toxoplasmose ist weltweit eine der häufigsten parasitären Zoonosen. Der Erreger, Toxoplasma gondii, verfügt über ein breites Wirtsspektrum und eine Vielzahl potenzieller Infektionsstrategien. Eine horizontale Übertragung von T. gondii auf den Menschen kann vor allem auf zwei Wegen erfolgen: (1) durch orale Aufnahme von Dauerstadien (sporulierte Oozysten) aus der Umwelt, z. B. über Erde, Schmutz und Wasser, und (2) durch den Verzehr infektiöser Gewebezysten, die im Fleisch oder in Innereien von Tieren vorkommen können. Dabei ist die Frage nach der relativen epidemiologischen Bedeutung der verschiedenen Infektionsquellen nicht geklärt. Einerseits lässt sich bei humanen Populationen aus Ländern mit hohem Fleischkonsum eine höhere Seropositivität nachweisen als in solchen mit niedrigem Fleischkonsum, andererseits wurden auch bei bis zu 47 % rein vegetarisch lebender Menschen Antikörper gegen den Parasiten nachgewiesen.
In Fall-Kontroll-Studien, die im Verlauf der letzten Jahre bei Menschen in Europa durchgeführt wurden, wurden hauptsächlich folgende Risikofaktoren für eine Primärinfektion mit T. gondii ermittelt:

  • Verzehr von nicht ausreichend gegartem Fleisch oder Fleischprodukten
    (30-63 % der Infektionen)
  • Abschmecken von Fleisch während des Zubereitungsprozesses
  • Kontakt mit Erde (6-17 % der Infektionen)
  • Verzehr von ungewaschenem, rohem Gemüse oder Früchten
  • Geophagie
  • Reisen außerhalb Europas und Nordamerikas.

Die Bedeutung dieser Faktoren variiert jedoch in verschiedenen Regionen und ethischen Gruppen.
Angaben über das Vorkommen infektiöser Stadien von T. gondii bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, oder in Produkten tierischer Herkunft sind meist qualitativer Art. Daher bleiben Unwägbarkeiten bei der Beurteilung der Frage, wie groß das Infektionsrisiko für den Lebensmittelkonsumenten im Einzelfall ist. Außerdem kann das Infektionsrisiko für Menschen durch adäquate präventive Maßnahmen erheblich reduziert werden. Es ist daher anzunehmen, dass neben einer potenziellen Kontamination von Lebensmitteln mit dem Parasiten auch das Verbraucherverhalten für die Übertragung von T. gondii relevant ist. Auch lebensmitteltechnologische Methoden sowie die Methoden der Vermarktung können einen erheblichen Einfluss auf die Anzahl infektiöser Parasitenstadien im Lebensmittel haben.