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Nationale Referenzzentren (NRZ) werden seit 1995 zur Überwachung wichtiger Infektionserreger benannt und durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) berufen und finanziell unterstützt. Die Berufung erfolgt jeweils für eine dreijährige Periode in Abstimmung mit Vertretern des Robert Koch-Instituts (RKI), der Kommission Infektionsepidemiologie am RKI und den medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Derzeit existieren 16 Nationale Referenzzentren und 48 Konsiliarlaboratorien in Deutschland, welche in die Bereiche Bakterien, Parasiten und Pilze, Viren, elektronenmikroskopische Erregerdiagnostik sowie Syndrome unterteilt sind.
Bei ausgewählten Infektionserregern erfolgt die Erfassung von Antibiotika-Resistenzdaten in den jeweiligen NRZ. Im Folgenden werden diese NRZ (mit Ausnahme des NRZ für Streptokokken, da dieses an anderer Stelle präsentiert wird) und ausgewählte Daten zur Antibiotikaresistenz vorgestellt.
Das NRZ für Helicobacter pylori (Universität Freiburg) initiierte 2001 die multizentrische Sentinelstudie ResiNet, um belastbare Daten zur individuellen Resistenzentwicklung und zu regionalen Besonderheiten zu gewinnen. Im Rahmen der Studie konnte gezeigt werden, dass bei Patienten, die ein- oder mehrmals empirisch behandelt wurden, signifikant häufiger resistente H.-pylori-Isolate gefunden werden als bei nicht vorbehandelten Patienten. Im Vergleich zu Patienten mit makroskopisch normaler Magenschleimhaut wurden bei Patienten mit Ulkuskrankheit sowohl weniger Clarithromycin- und Chinolon-resistente als auch doppelresistente Erreger isoliert.
Der Fokus der NRZ-Tätigkeit im NRZ für Meningokokken (Universität Würzburg) liegt in der Entwicklung und Einführung von sequenz-basierten Methoden zur Erreger-Identifizierung und -Typisierung. Zusätzlich werden Daten zur Antibiotikaresistenz gegenüber Penicillin, Rifampicin, Ciprofloxacin und Cefotaxim erhoben. In 2005 zeigten 9,8% von 426 getesteten Isolaten eine reduzierte Penicillinempfindlichkeit.
Das NRZ für Mykobakterien (Forschungszentrum Borstel) testet alle eingesendeten M. tuberculosis-Stämme gegenüber ausgewählten first- und second-line Antibiotika. Dabei werden annähernd alle resistenten M. tuberculosis-Stämme nach Borstel zur Überprüfung der Resistenz und zur Austestung weiterer Medikamente geschickt. Von den 1.818 im Jahr 2005 getesteten Stämme zeigten 379 Einzelresistenz und 119 wiesen eine Multiresistenz auf. Des Weiteren fungiert das NRZ als eines der "Supranational Reference Laboratories for Susceptibility Testing" und "European Reference Laboratories for Mycobacteria" der WHO.
Seit 2005 ermittelt das NRZ für Samonellen und andere bakterielle Enteritiserreger (RKI Wernigerode) neben Samonella spp., enterohämorrhagische E. coli und Shigella spp. auch Daten zur Antibiotikaresistenz von Yersinien und Campylobacter. Anhand der erhobenen Daten ist seit 2000 eine Anstieg in der Resistenz der Erreger gegenüber Ciprofloxacin zu beobachten.
Neben umfangreichen Untersuchungen zur molekularen Charakterisierung von Antibiotika-Resistenzmechanismen bei Staphylokokken, erfolgen im NRZ für Staphylokokken (RKI Wernigerode) epidemiologische Analysen zur Resistenzentwicklung. Diese zeigen, dass bis Ende 2005 keine Linezolid- und Vancomycin-resistenten MRSA aus Krankenhausinfektionen in Deutschland aufgetreten sind, und dass die Resistenzraten von MRSA gegenüber Rifampicin, Fosfomycin und Trimethoprim/ Sulfanamid seit 2000 rückläufig sind.
Das NRZ für Surveillance von nosokomialen Infektionen (Charité Berlin) erfasst Daten zur Antibiotikaresistenz mit Hilfe des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS). Einige KISS-Module, wie z.B. ITS-KISS, ermöglichen die Erfassung von resistenten nosokomial-erworbenen Erregern. Untersuchungen zum Vorkommen von S. aureus bei nosokomialen Infektionen auf der Intensivstationen zeigen einen Anstieg der Resistenz von 8% (1997) auf 37,6% (2005).
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