zurück zur Übersicht

Resistenzsituation im Krankenhausbereich – Datenquellen, Entwicklung und aktuelle Situation

 

 

 


Download
Präsentation

Michael Kresken

Antiinfectives Intelligence GmbH
Campus Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg
Von-Liebig-Straße 20
D - 53359 Rheinbach
Fon: +49 / 2226 / 908 - 912
Fax: +49 / 2226 / 908 - 918
eMail: michael.kresken@antiinfectives-intelligence.de
 

 

 

 

Wichtige Datenquellen zur Beschreibung der Resistenzsituation bei klinisch wichtigen Bakterienspezies im Krankenhausbereich in Deutschland sind die Studien der Arbeitsgemeinschaften Empfindlichkeitsprüfungen & Resistenz (www.p-e-g.org/resistenz) sowie Blutkulturstudien in der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, das German Network for Antimicrobial Resistance Surveillance (www.genars.de) sowie das Projekt Surveillance der Antibiotika-Anwendung und der bakteriellen Resistenzen auf Intensivstationen (www.sari-daten.de). Weiterhin stehen Daten aus dem European Antimicrobial Resistance Surveillance Systems (EARSS), einem europäischen Netzwerk von nationalen Surveillance-Systemen zur Bestimmung der Antibiotika-Empfindlichkeit von Blutkulturisolaten ausgewählter Bakterien-Spezies, zur Verfügung.

An den Untersuchungen der PEG sind regelmäßig 20-30 Laboratorien aus Deutschland, der Schweiz und Österreich beteiligt. Die letzte Datenerhebung der AG Empfindlichkeitsprüfungen & Resistenz erfolgte im November 2004. Das GENARS-Projekt fasst die Ergebnisse der Routineempfindlichkeitsprüfungen aus z. Zt. sechs Universitätskliniken zusammen. Die Bestimmung der Erregerempfindlichkeit in den PEG Studien sowie im GENARS-Projekt erfolgt durch Ermittlung der minimalen Hemmkonzentration (MHK) mittels der Mikro-Bouillondilution entsprechend DIN 58940. Aus dem SARI-Projekt liegen die Ergebnisse der Resistenzbestimmungen von 46 Intensivstationen vor. Die Auswertung der Daten erfolgte dabei entsprechend der verwendeten Testmethodik und Grenzwerte (DIN 58940 oder CLSI) in zwei Gruppen. Die Daten der PEG-Resistenzstudie reichen bis in das Jahr 1975 zurück, während die übrigen Surveillance-Studien im Jahr 2000 etabliert wurden.

In den letzten 20 bis 30 Jahren hat sich die Resistenzsituation im Krankenhausbereich bei vielen Bakterienspezies gegenüber zahlreichen Antibiotika z. T. deutlich verschlechtert. So hat sich nach den Angaben der PEG-Resistenzstudie der Anteil der Ampicillin-resistenten Stämme an allen Escherichia coli in dem Zeitraum von 1984 (~20%) bis 2004 (>50%) mehr als verdoppelt, nachdem die Resistenzsituation zuvor ein Jahrzehnt unverändert gewesen war. In bezug auf die Fluorchinolone und E. coli stieg der Anteil der resistenten Stämme seit der Einführung des ersten Fluorchinolons Mitte der 80er auf über 20%. Kritisch sind vor allem der Anstieg der Häufigkeit ESBL-bildender Stämmevon E. coli und Klebsiella sowie die Zunahme des Anteils von Methicillin/Oxacillin-resistenten Stämmen bei Staphylococcus aureus und Vancomycin-resistenten Stämmen bei Enterococcus faecium zu bewerten. Erwartungsgemäß fanden sich bei Isolaten von Patienten auf Intensivstationen durchweg höhere Resistenzraten als bei Isolaten von Patienten auf Allgemeinstationen.

Ein Großteil der Resistenzdaten aus den genannten Projekten stammt von Labors an Krankenhäusern der Maximalversorgung. Die gefundenen Ergebnisse dürfen somit nicht ohne weiteres auf die Situation in Krankenhäusern mit einer niedrigeren Versorgungsstufe übertragen werden. In diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse von Routine-Resistenzbestimmungen interessant, die getrennt nach der Größe der Krankenhäuser ausgewertet wurden. In dem so aufbereiteten Datenmaterial eines Labors am linken Niederrhein aus dem Jahr 2005 fand sich in Bezug auf die Häufigkeit Methicillin/Oxacillin-resistenter Stämme von S. aureus für die Isolate von Patienten in Krankenhäusern mit einer Bettenzahl von <400 eine Resistenzrate von 23% im Vergleich zu 34% für die Isolate von Patienten in Krankenhäusern mit einer Bettenzahl von >400.

Die Zunahme von resistenten Isolaten kann z. T. mit der klonalen Ausbreitung, aber auch mit der Selektion bei zu breitem, zu niedrig dosiertem und inadäquaten Einsatz von Antibiotika erklärt werden. Deshalb sind die wichtigsten Maßnahmen, um der Resistenzentwicklung entgegen zu wirken, die Vermeidung eines starken Selektionsdruckes und die Einhaltung der allgemeinen Hygienemaßnahmen.