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Ergebnisse der Resistenzsurveillance im Veterinärbereich:
Aktuelle Daten zur Florfenicolempfindlichkeit bei Zielorganismen und Kommensalen

 

 

 


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Präsentation

Stefan Schwarz und Corinna Kehrenberg

Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL)
Institut für Tierzucht
Höltystraße 10
D - 31535 Neustadt - Mariensee
Fon: +49 / 5034 / 871 - 241
Fax: +49 / 5034 / 871 - 246
eMail: stefan.schwarz@fal.de
 

 

 

 

Im Veterinärbereich gab es bis vor wenigen Jahren kaum verlässliche und repräsentative Daten für Deutschland. Mit der Einführung des Nationalen Monitoringprogrammes GERM-Vet im Jahr 2001 hat sich diese Situation zumindest für die wichtigsten Erreger/Indikationen bei Lebensmittel liefernden Tieren geändert. Während der Jahre 2004-2006 wurde zudem das zum GERM-Vet Programm komplementäre Monitoringprogramm Bft-GermVet in Deutschland durchgeführt. In diesem Programm wurden hauptsächlich relevante Erreger/Indikationen der Tierarten Hund, Katze und Pferd, aber auch im GERM-Vet Programm nicht berücksichtigte Erreger/Indikationen der Tierarten Rind und Schwein untersucht. Komplettiert werden diese Studien durch produktspezifische Monitoringstudien, deren Ziel es ist, die Empfindlichkeitslage derzeitiger oder künftiger Zielorganismen gegenüber meist neu in die veterinärmedizinische Nutzung gekommener antimikrobieller Wirkstoffe zu bestimmen. Letztere Studien wurden in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich für die Wirkstoffe Florfenicol und Pirlimycin durchgeführt und schlossen – sofern resistente Bakterien nachgewiesen wurden – auch die Klärung der jeweiligen Resistenzmechanismen bzw. die Identifikation der vorliegenden Resistenzgene ein.

Für das fluorinierte Chloramphenicolderivat Florfenicol, das in Deutschland zur Bekämpfung von Atemwegsinfektionen bei Rind (seit 1995) und Schwein (seit 2000) zugelassen ist, liegen derzeit die umfassendsten Daten zur Empfindlichkeitslage vor. Für die bovinen Zielorganismen Pasteurella multocida und Mannheimia haemolytica sowie für die porcinen Zielorganismen P. multocida und Actinobacillus pleuropneumoniae hat sich seit der Einführung des Wirkstoffes in die klinische veterinärmedizinische Nutzung keine signifikante Änderung der MHK-Werte ergeben. Innerhalb der bislang untersuchten 1148 Isolate wurden dabei keine resistenten Zielorganismen nachgewiesen. Die MHK50- und MHK90-Werte erwiesen sich ebenfalls als ausgesprochen stabil. Vereinzelt wurden jedoch resistente, das Gen floR tragende P. multocida- bzw. Pasteurella trehalosi-Isolate aus Großbritannien und Frankreich nachgewiesen. Dieses Resistenzgen kodiert für einen phenicolspezifisches, membranständiges Effluxprotein und war in den resistenten P. multocida- und P. trehalosi-Isolaten auf Plasmiden lokalisiert.

Da mit jedem Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe nicht nur die Zielorganismen bekämpft werden, sondern auch ein Selektionsdruck auf die physiologische bakterielle Begleitflora ausgeübt wird, wurden neben den Zielbakterien auch Staphylococcus spp. als Indikatorbakterien untersucht. Bei Staphylokokken, wurden zwei neue Resistenzgene, fexA und cfr, entdeckt. Das Gen fexA kodiert für ein phenicolspezifisches Effluxprotein, das Gen cfr für eine neuartige rRNA Methylase. Studien zum Cfr-vermittelten Resistenzmechanismus ergaben, dass der Adeninrest an Position 2503 in der 23S rRNA die Zielstruktur dieser Methylase ist. Die Methylierung an A2503 liegt im überlappenden Bindungsbereich von Phenicolen, Lincosamiden, Oxazolidinonen, Pleuromutilinen und Streptogramin A-Antibiotika und verhindert das Binden dieser Wirkstoffklassen an das Ribosom. MHK-Studien zeigten, dass Staphylococcus-Stämme, die cfr exprimieren, deutlich erhöhte MHK-Werte gegenüber diesen fünf Klassen von Proteinbiosynthese-Hemmstoffen aufwiesen. Bislang wurden fexA und cfr ausgesprochen selten bei Staphylokokken gefunden, wobei alle derzeit nachgewiesenen Isolate von Tieren stammten. Aufgrund des Multiresistenzphänotyps, der auch wichtige Reserveantibiotika bzw. Neuentwicklungen für die humanmedizinische Nutzung einschließt, stellt die Untersuchung des Vorkommens und der Verbreitung cfr-positiver Bakterien einen wichtigen Aspekt im Rahmen human- und veterinärmedizinischer Monitoringprogramme dar.