zurück zur Übersicht | Grundlagen und Entwicklung von prophylaktischen und therapeutischen Vakzinen gegen HPV |
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Lutz Gissmann
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Der kausale Zusammenhang zwischen Infektionen mit bestimmten Papillomviren des Menschen und der Entstehung von Tumoren des Anogenitaltrakts ist gut dokumentiert. Die häufigsten dieser Erkrankungen sind gutartige Genitalwarzen (Condylomata acuminata), in den meisten Fällen bedingt durch die HPV Typen 6 oder 11, sowie Karzinome der Zervix uteri (Gebärmutterhalskrebs), die nach persistierender Infektion mit einem der sog. high-rsk HPV Typen (z.B. HPV 16 oder 18) entstehen. 1) Prophylaxe zur Verhinderung der Virusinfektion und der nachfolgenden Erkrankung Immunisierungsversuche mit Papillomviren von Tieren in deren natürlichen Wirt haben gezeigt, dass die Induktion von gegen das Viruspartikel gerichteten, neutralisierenden Antikörpern die Entstehung von Tumoren nach experimenteller Inokulation mit infektiösem Virus verhindert. Zur Immunisierung wurden virus-like particles (VLP) verwendet, die durch Expression des Hauptstrukturproteins L1 mit Hilfe rekombinanter Vektoren hergestellt werden können. Diese Befunde wurden als Argument für die Möglichkeit zur Entwicklung von VLPs humanpathogener Papillomviren zur Immunisierung gegen HPV Infektionen beim Menschen genommen. Die seit einigen Jahren unabhängig von zwei Firmen durchgeführten klinischen Studien mit VLPs von HPV 16 und 18 (ein Präparat enthält zusätzlich HPV 6 und 11) lieferten überzeugende Ergebnisse zur Verträglichkeit, Immunogenität und Effizienz der Impfstoffe, sodass die erste Vakzine in einigen Ländern außerhalb Europas bereits zugelassen wurde. 2) Prophylaxe zur Verhinderung der Erkrankung (post-Expositionsprophylaxe) Auch nach bereits erfolgter Infektion sollte es möglich sein, durch eine HPV-spezifische Impfung die Progression hin zur klinisch apparenten Erkrankung zu unterbinden. Diese Annahme basiert im Wesentlichen auf Experimenten mit Papillomviren bei Tieren im natürlichen Wirt, aber auch auf Tumorversuchen mit durch HPV transformierten Zellen in Mäusen. Im Falle der humanpathogenen Papillomviren wurden die Proteine E6 und E7 als Tumormarker identifiziert. Somit sollten Immunisierung mit diesen Proteinen also zur Eliminierung der HPV-infizierten (transformierten oder noch normalen) Zellen führen. Um eine erneute Infektion bei den meist noch jungen Frauen zu verhindern, sollten durch die Impfung zusätzlich auch L1-spezifische neutralisierende Antikörper hervorgerufen werden. Solche Kombinationsimpfstoffe sing gegenwärtig in der Entwicklung. 3) Therapie der Erkrankung Aus den oben genannten Gründen sollte prinzipiell eine HPV-Impfung auch bei bereits erkrankten Frauen erfolgreich anwendbar sein. Dabei wird vor allem bei Präkanzerosen eine gute Chance für eine erfolgreiche Immuntherapie gesehen. Bisherige Studien brachten allerdings keinen durchschlagenden Erfolg. |
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