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Die Familie der Anaplasmataceae umfasst Bakterien, die eine gram-negative Zellwand besitzen und sich obligat intrazellulär im Zytoplasma ihrer Wirtszellen vermehren. Mit Ausnahme von Wolbachia spp., die Endosymbionten von Insekten und Helminthen sind, werden Mitglieder der Familie der Anaplasmataceae durch Vektoren übertragen.
Von humanpathogener Bedeutung sind Anaplasma phagocytophilum, Ehrlichia chaffeensis, Ehrlichia ewingii und Neorickettsia sennetsu. Das Sennetsu-Fieber, hervorgerufen durch N. sennetsu, ist eine seltene Mononukleose-ähnliche Erkrankung und kommt ausschließlich in Südostasien vor. E. chaffeensis und E. ewingii Infektionen sind in ihrem Vorkommen auf Nordamerika beschränkt. Das durch diese Spezies hervorgerufene Krankheitsbild, ist klinisch nicht von A. phagocytophilum Infektionen zu unterscheiden.
A. phagocytophilum vermehrt sich in neutrophilen Granulozyten und wird durch Zecken der Art Ixodes ricinus übertragen. A. phagocytophilum ist der Erreger der humanen granulozytären Anaplasmose (früher: Ehrlichiose), des Weidefiebers bei Rindern und Schafen, sowie einer granulozytären Ehrlichiose bei Pferden, Hunden und Katzen. Während die Erkrankung bei Rindern und Schafen seit den dreißiger Jahren in Europa bekannt ist, wurde eine humane Infektion erstmalig 1994 in den USA beschrieben. Obwohl in Nordamerika seitdem mehr als 2000 Fälle aufgetreten sind, ist die menschliche Erkrankung in Europa auf wenige Fälle in verschiedenen europäischen Nachbarländern beschränkt.
In Deutschland wurde bisher kein Fall einer akuten humanen granulozytären Anaplasmaose (HGA) beschrieben, doch deuten Seroprävalenzraten von bis zu 2,6% in der Normalbevölkerung und von bis zu 14% bei Risikopersonen auf das Vorkommen der Erkrankung hin. Der Befall von Ixodes ricinus Zecken in Deutschland mit A. phagocytophilum ist gesichert und damit eine der Voraussetzungen für das Auftreten der Erkrankung gegeben. Vereinzelte Erkrankungen von Pferden und Rindern sind in Deutschland beobachtet worden. Möglicherweise handelt es sich um eine unterdiagnostizierte Erkrankung.
A. phagocytophilum führt bei Menschen und Tieren zu einer akut fieberhaften Erkrankung mit in der Regel gutartigem Verlauf. Die Symptome sind wenig spezifisch und umfassen hohes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Laborveränderungen können in Form von Thromobpenie, Leukopenie, Anämie und geringgradig erhöhten Transaminasen bestehen. Beim Menschen sind keine Folgeerkrankungen oder chronischen Verläufe bekannt.
Die Diagnostik erfolgt durch den direkten mikroskopischen Erregernachweis im Blutausstrich, den Nukleinsäurenachweis aus dem Blut und serologisch mittels Immunfluoreszenztest. Die Therapie erfolgt bei Menschen und Tieren mit Tetrazyklinderivaten.
Die Diagnostik von A. phagocytophilum Infektionen wird am Institut für Medizinische Mirkobiologie und Hygiene der Universität Freiburg durchgeführt.
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