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Drug Monitoring bei kritisch kranken Patienten

 

 

Hang Nguyen

Universität Heidelberg
Apotheke
Im Neuenheimer Feld 670
69120 Heidelberg
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Fax: 06221/56-5413
E-mail: hang.nguyen@med.uni-heidelberg.de

 

 
 

 

 

 

Die Plasmakonzentration vieler Antiinfektiva kann durch verschiedene Patienten-spezifische Parameter, pathophysiologische Veränderungen sowie begleitende Supportivtherapien verändert sein. Für neue Arzneistoffe sind daher pharmakokinetische Untersuchungen wichtig, da sie zu einem besseren Verständnis des Verhaltens von Arzneistoffen unter pathologischen Bedingungen führen, die ein therapeutisches Drug-Monitoring ermöglichen. Dies gilt insbesondere für multimorbide kritisch kranke Patienten. Untersuchungen über den Einfluss einzelner Parameter wie Übergewicht, Leber- und Niereninsuffizienz sowie Arzneimittelinteraktionen auf die Plasmaspiegel sind häufig in der Literatur zu finden, ein Übertrag dieser Ergebnisse auf kritisch kranke Patienten ist jedoch nicht akzeptabel. So konnten für viele Antiinfektiva wie Fluconazol, Aminoglykoside, Imipenem und Vancomycin in Untersuchungen bei kritisch kranken Patienten veränderte Plasmaspiegel gezeigt werden, die mit pathologischen Veränderungen, Organdysfunktionen, medizinischen und chirurgischen Interventionen assoziiert sind.

Caspofungin gehört aufgrund seiner guten Verträglichkeit sowie seines geringen Interaktionspotentials zu den Standardantimykotika zur Behandlung invasiver Pilzinfektionen, insbesondere der Infektion mit Candida spp. und Aspergillus spp. In der vorliegenden retrospektiven Studie, wurden therapiebegleitend die Caspofungin-Talspiegel (C24h) täglich bestimmt. Ziel der Studie war die Untersuchung der Caspofungin-Plasmaspiegel und deren Einflussfaktoren bei chirurgischen Intensivpatienten. Die statistische Auswertung erfolgte in einem linear gemischten Modell bei 38 chirurgischen Intensivpatienten.

Von den Variablen Alter, Geschlecht, Körpergewicht, APACHE-II-Score, SOFA-Score, Albumin Konzentration, Katecholamingabe, Hämodialyse, Begleitmedikation mit Tacrolimus und Methylprednisolon blieben im Endmodell die 4 Kovariablen Körpergewicht, Albumin Konzentration, Hämodialyse und Methylprednisolongabe übrig. Diese wurden in zusätzlichen einfachen Modellen auf ihre Einzeleffekte untersucht. Das Ergebnis der einfachen Modelle ergab einen signifikanten Einfluss von Methylprednisolon (p=0,006), niedriges Körpergewicht (p=0,008) und erniedrigte Albumin-Konzentration (p=0,03) auf die Caspofungin C24h. Der Einfluss der Hämodialyse war dagegen statistisch nicht signifikant (p=0,272).

Im linear gemischten Modell wurden für Patienten ohne Dialyse, niedrigem Albumin, geringen Körpergewicht und ohne Gabe von Methylprednisolon im Mittel ein Caspofungin C24h von 2,04 µg/ml geschätzt. Im Vergleich zu Plasmaspiegel bei gesunden Probanden von Stone et al. war dieser Wert erhöht (1,41 µg/ml). Der Einfluss von Körpergewicht und Albumin-Konzentration auf die Caspofungin C24h war statistisch signifikant (p=0,019; p=0,03), während die Gabe von Methylprednisolon und die Hämodialyse die Plasmaspiegel nicht signifikant beeinflussten (p=0,058; p=0,085). Auffallend war die ausgeprägte interindividuelle Variabilität der Caspofungin C24h bei Intensivpatienten im Vergleich zu gesunden Probanden von Stone et al. (0,21 bis 5,1 µg/ml vs. 1,12 bis 2,17 µg/ml). Basierend auf den Ergebnissen aus einfachen und gemischten Modell stellen somit Körpergewicht und Albumin-Konzentration potentielle prognostische Einflussfaktoren dar. Die vorliegenden Daten können als Grundlage für ein patientenspezifisches Drug-Monitoring von Caspofungin für kritisch kranke Patienten mit systemischen Pilzinfektionen dienen. Vorraussetzung dafür ist eine Korrelation zwischen Caspofungin C24h und der antimykotischen Wirksamkeit.